Fußballmanager vs. DFL: Editierfunktion ist böse
Namen sind Schall und Rauch? Mitnichten. Namen sind bares Geld. Jedenfalls jene der Fußballprofis. Dies bekamen unsanft einige Fußballfans zu spüren, die sich schuldig gemacht hatten, die Editierfunktion von PC-Spielen zu benutzen. Ihnen flatterte eine Unterlassungserklärung der DFL ins Haus.
Seit es Computerspiele gibt, gibt es auch Menschen, die ihren eigenen Fußballverein virtuell an die Spitze zu führen versuchen. Eine Krux, die fast genau so lange existiert, ist die Abhängigkeit von offiziellen Lizenzen. Denn nicht jedes Spiel darf die originalen Spielernamen verwenden. Wenn statt Lucio für Bayern ein gewisser Nacio für Bavaria München aufläuft, fehlt die notwendige Authentizität und der Spielspass geht flöten.
Doch dieser Mangel lässt sich beheben. Denn dem Zocker steht eine Editierfuntion zur Verfügung, mit der er die Namen und Daten aller Spieler bearbeiten und damit der Realität anpassen kann. Gerhard Böcking und Sven Krone (Namen auf Wunsch der beiden geändert) spielten mit Anstoss einen sehr guten Fußballmanager, der keinen Vertrag mit der DFL hatte. Und sie hatten eine nahe liegende Idee. Wenn jeder User alle Namen editiert, braucht er dazu sehr lange. Wenn aber jedes Mitglied einer Community nur eine Mannschaft bearbeitet, dann kann man sehr schnell alle Originaldaten einpflegen. Das Project Userfile war geboren. Jahrelang sammelten sie immer zu Saisonbeginn Beiträge aktiver User, packten sie in eine Datei und stellten sie verschiedenen Anstoss-Fanseiten zur Verfügung, wo sie zum Download bereit standen.
Im April 2006 reagierte die DFL und drohte Anstossfreak.de mit rechtlichen Schritten, sollten die Daten weiterhin angeboten werden. Der Ligaverband schützte einmal mehr die Rechte seiner Exklusivpartner mit harten Geschützen. In diesem Fall hatte EA Sports die Lizenzen gekauft. Martin Lauber, Pressesprecher von EA Deutschland erklärte gegenüber der Zeitschrift Gamestar: „Wir haben volles Verständnis dafür, dass die DFL dafür sorgt, dass Bundesliga-Daten nicht rechtswidrig verwendet werden. Es geht hier nicht darum, Communities von anderen Spielen einzuschränken, sondern darum, dass Teile der Persönlichkeitsrechte der Bundesliga-Profis von der DFL vermarktet werden.“
Ob die DFL hier tatsächlich im Recht ist, steht auf einem anderen Blatt. Schließlich machte das Project Userfile nichts anderes als die Editierfunktion eines Spiels unkommerziell zu nutzen – allerdings sehr organisiert. Einer geschlossenen Community könnte man das sicher nicht verbieten. Wenn sich zehn Freunde hinsetzen und gemeinsam die Daten verändern, dürfte niemand was dagegen haben. Wenn sich hundert User zusammenschließen und die Files über einen Email-Verteiler austauschen, sind sie rechtlich sicher auch noch auf der sicheren Seite. Aber bei wie vielen Nutznießern zieht man die Grenze? Und wie sieht es aus, wenn man die Originaldaten einer unbegrenzten Öffentlichkeit im Internet zur Verfügung stellt? Ab welchem Punkt handelt es sich überhaupt um geschützte Originaldaten? Immerhin hatten die Autoren Andy Möller zu seiner aktiven Zeit die Charaktereigenschaften „Mimose“, „Leberwurst“ und „Schönwetterspieler“ in sein Profil editiert. Ist das der Andy Möller, dessen Persönlichkeitsrechte geschützt werden sollen?
Aber wie immer, wenn es Fans gegen DFL geht, kam es gar nicht zu einem juristischen Auseinandersetzung. “Wir sehen nun leider keine andere Möglichkeit, als uns dem hier eindeutig zu beugen. Bei der Höhe der angedrohten Strafen können wir es uns nicht leisten, in irgendeiner Form auf unser Recht zu pochen und einen Rechtsstreit zu riskieren. Schließlich verdienen wir keinen einzigen Cent mit der Bereitstellung der Daten für die Community und führen dieses Projekt nur als (äußerst zeitintensives) Hobby“, gaben Böcking und Krone kleinbei. „Rechtlich gesehen kann niemand uns das Sammeln von Daten verbieten, jedoch müssen diese auch den Nutzer erreichen. Dies ist durch die, nennen wir es mal Einschüchterungstaktik der DFL, nun nicht mehr möglich.“
Die weitere Entwicklung war für beide vor einem halben Jahr offensichtlich: “Eins ist zumindest sicher: Die Gefahr das in Zukunft weitere Fan-Projekte auf Grund schwammiger rechtlicher Sicherheit juristisch angegriffen werden, ist größer geworden. Wir können jedenfalls nur mit Bedauern feststellen, dass unserer Meinung nach mit solchen Aktionen genau die Leute getroffen werden, die die eigentliche Basis für das Produkt ‚DFL’ bilden – Die Fußball-Fans.”
Nicht alle ließen sich so einschüchtern, sondern machten das, was im Internetzeitalter eben so macht, wenn man juristischen Gängeleien aus dem Weg gehen will. Sie zogen mit ihrem Server nach Panama. Unter der Adresse Pimp-my-Anstoss.com waren kurz nach der Schließung der deutschen Dependancen wieder Original-Daten verfügbar. Das eigentlich tragische an der Geschichte folgte mit der Veröffentlichung von Anstoss 2007. Der Hersteller Ascaron schaffte, nach dem mit Anstoss 3 im Jahr 2000 ein Standard gesetzt wurde, viermal in Folge, ein völlig verbuggtes und bei Release kaum spielbares Produkt auf den Markt zu schmeißen. Die Editierfunktion war praktisch nicht nutzbar, so dass Pimp-my-Anstoss kurzerhand die Website abschaltete. Die Community fühlt sich vom Produzenten im Stich gelassen und langsam aber sicher stirbt die Legende Anstoss. Das Problem der DFL scheint sich also von selbst zu erledigen.



