Anpacken statt lamentieren
Das Blog heißt “Unser Fußball”. Das bedeutet nicht nur, unsere Rechte gegenüber der DFL einzufordern, sondern auch gegen Idioten in den Stadien einzutreten, die uns unseren Fußball wegnehmen. Ich könnte jedesmal vor Wut platzen, wenn ich im Block nicht mein Bier trinken darf, weil zwei Wochen vorher ein Hirnamputierter einen Becher an den Schädel eines Schiedrichters oder Spielers geworfen hat.
Allerdings bin ich auch nicht so blauäugig zu glauben, dass sinnlose Gewalt gebannt wäre, wenn man dem Täter Stadionverbot erteilt. Erstens ist dieses Verbot in der Praxis gar nich umsetzbar und zweitens sieht man immer nur die, die getroffen haben. Für die 50 Arschlöcher, die geworfen, aber nicht genau gezielt haben, interessiert sich gar keiner.
Nolookpass hat vor einigen Tagen ganz richtig geschrieben, dass die Fußballstadien nur ein Spiegel der Gesellschaft sind. Mehr noch: Dort kristalliert sich die Gewaltbereitschaft der neu ausgerufenen “Unterschicht”. Was in Stadien in Zwickau, Dresden oder Berlin passiert, ist nicht Ausdruck einer Fanbewegung, sondern soziale Verwahrlosung. Dort wo die NPD die konsequenteste Jugenarbeit leistet, sollte man sich über ausländerfeindliche Tiraden nicht wundern. Da kann die DFL noch 20 Kommisonen einsetzen Taskforces gründen, von Seiten des Fußballs kann man nur an der Oberfläche rumpolieren.
Jeder, der darüber lamentiert, sollte sich fragen, was er dagegen tut, dass es nicht mehr passiert. Ist er selbst Schiedsrichter und setzt sich Beschimpfungen und Attacken aus? Trainiert er eine Jugendmannschaft und versucht auch schwierige Jungs zu sozialisieren statt zu stigmatisieren? 98% derer, die betroffen vor dem Bildschirm sitzen, machen das nicht. Stattdessen erwarten sie von Profi-Vereinen (oder dem Staat, oder irgendeiner anderen abstrakten Autorität), dass sie an den Symptomen rumdoktern. Und genau das ist der Teufelskreis, der solche Phänomene überhaupt entstehen lässt. Traurig und bitter nur, das engagierte Menschen wie Volker Seifert, Präsident des FSV Zwickau, mit Tränen in den Augen kapitulieren. Von denen bräuchten wir mehr und diese Leute brauchen unsere Rückendeckung.
























kurtspaeter sagt
am 12. November 2006 @ 18:22
Die Szene Seifert hat mich ebenfalls geschockt.
Das die NPD bei ihrem “Reichsparteitag” in Berlin nur 300 Demonstranten anlockte ehrlich gesagt noch mehr.
frank sagt
am 13. November 2006 @ 14:09
Bei Spiegel Online gibt es einen guten Artikel zu “Oberligafussball im Osten”:
http://www.spiegel.de/sport/fussball/0,1518,447941,00.html
jens sagt
am 22. November 2006 @ 11:23
wir versuchen mit der deutschen fan-meisterschaft unseren beitrag zu mehr kommunikation und verständigung zwischen fan-gruppen zu leisten.
wer sich kennt, wird sich hoffentlich weniger aggressiv begegnen. es ist ein versuch..wer mag schaut mal http://www.fan-meister.de.
gruß jens
Links from the island : Bundesliga-Blog sagt
am 13. Januar 2007 @ 18:28
[...] Dülp_ Anpacken statt lamentieren [...]
Gurpal sagt
am 17. Februar 2009 @ 17:20
Ich glaube das ist ein Problem unserer Gesellschaft und auch eine psychologische Angelegenheit. In der Fankurve entstehen schnell Gefühle von Zusammengehörigkeit und Möglichkeiten sich mal kollektiv gehen lassen zu können. Ausländerfeindliche Parolen verstärken noch das Gefühl zusammenzugehören, sind quasi der kleinste gemeinsame Nenner auf dem sich irgendwo frustrierte nicht sehr reflektierte Individuen einigen können. Wenn andere Identifikationsmöglichkeiten da wären, wurde vieles schon anders sein.